Unsere Politiker-SuperDAUs haben die glorreiche Idee, Altersfreigaben für Webseiten einzuführen. Das sollen entweder die Webmaster selber oder aber - was viel deutscher ist, eine zentrale Behörde machen. Hier ein paar Gründe, warum das eine wirklcih schlaue Idee ist:
1. Laut DENIC sind derzeit 12.886.565 deutsche Domains angemeldet. Auch wenn die Zahl rückläufig ist, kann man sich doch leicht ausrechnen, wie lange eine zentrale Behörde brauchen würde, um all diese Webseiten zu prüfen und einer Alterskategorie zuzuordnen. Natürlich könnte die Behörde da fleißig abzocken und pro Webseite sagen wir mal 50 Euro nehmen. Das wären dann gleich mal eben 600 Mio Einnahmen. Ein Goldesel wie die GEZ, IHK oder andere.
2. Man könnte bequem alle Webseiten ohne Altersfreigabe sperren. Die Behörde kann jede einzelne Webseite überprüfen und festlegen, ob das was für unsere Kleinen ist oder nicht oder ob es sich vielleicht um eine regierungskritische Webseite handelt, die man erst mit einem Alter ab 120 lesen sollte.
3. Diese Maßnahme schafft Arbeitsplätze. Die Prüfung dieser unendlich großen Zahl an Webseiten beschäftigt leicht 10-20.000 Ein-Euro-Jobber über jahrzehnte hinweg. Webseiten werden ja auch ständig geändert und müssen dann natürlich jedes Mal auf's Neue überprüft werden, weil es könnte ja ein Link oder ein Text hinzugekommen sein, der der empfohlenen Altersklasse nicht entspricht.
4. Man hätte volle Kontrolle über alle Inhalte. Die FTP-Programme werden so umgestaltet, dass die Inhalte nicht mehr direkt auf die Webseite geladen wird, sondern erst bei dieser Internet-Prüfstelle landet, dort innerhalb von vier bis acht Wochen bewertet und dann bei positivem Entscheid auf dem Zielwebserver landet.
5. Die Forenadministratoren hätten das Problem nicht mehr, die Beiträge überprüfen zu müssen, weil das ja selbstverständliche diese Behörde übernehmen muss. Jeder Eintrag könnte komprimittierendes Material enthalten und muss explizit zugeordnet werden. Das beträfe freilich auch alle Web 2.0 Angebote. Bei Twitter, Facebook und Konsorten könnte man dann immer sicher sein, dass der vor mehreren Wochen gepostete Beitrag auch wirklich der Altersklasse entspricht, für die die Webseiten vorgesehen sind.
6. Um dem Problem vorzubeugen, dass man dann keine tagesaktuellen Nachrichten mehr lesen kann, übernimmt diesen Teil dann einfach ein regierungsnahes Unternehmen, bei dem man sicherstellen kann, dass die Nachrichten auch alle den Richtlinien entsprechen.
Und was würde wirklich passieren? Deutschland wäre in kürzester Zeit nicht nur das Internetfreieste Land der Welt - nein, auch das menschen- und unternehmensärmste. Irgendwann würden die Politiker dann anfangen, Gesetze für herumstreundende Hunde und Katzen zu erlassen, weil es einfach an Menschen mangelt, die man mit diesem Unsinn malträtieren kann.
Da hat der Nordrhein-Westfälische Jugendminister Armin Laschet (CDU) doch wirklich einen grandiosen Einfall: Eine Alterskennzeichnung von Internetangeboten. Meiner Meinung nach ist das als Beweis dafür das man vom Internet nicht die leiseste Ahnung hat...
Tracked: Jun 29, 10:18
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