Gestern Abend war ich also mal mit
@LadyTesska Tübinger Mega-Event
"das letz niest", um herauszufinden, wie Twitterer in echt so aussehen und nebenbei ein bißchen den Beiträgen zu lauschen.
Zuerst ging's ja mal damit los, dass wir dreimal an der etwas zurückliegenden Vereinshütte vorbeigelaufen sind. Wir haben eher eine Gaststätte erwartet als ein Clubhaus. Als wir beim Dritten Mal unbemerkt direkt davor standen, haben wir jemand gefragt, der dann einfach nur mit dem Daumen hinter sich gezeigt hat und uns darauf hinwies, dass es auf dem sehr abschüssigen Weg sehr glatt sei. Und das war es auch und es war die Manifestation des Gefühls, sich auf's Glatteis zu begeben. Ich war richtig aufgeregt ;o)
Mir war schon etwas mulmig, als ich die Tür öffnete. Ein bißchen hatte ich die Erwartungshaltung, die man hat, wenn man auf der Wiese einen großen Stein umdreht. Aber hey: Ganz - oder sagen wir mal relativ normale Leute waren da. Ich habe niemanden erkannt. Keiner hat mich angesprochen, ich habe niemanden angesprochen und so war alles perfekt. Ich bin eher den menschenscheue Typ und finde es unerträglich, meinen Namen zu nennen und daraufhin nur ein "Nie gehört"-Achselzucken wahrnehmen zu müssen.
Also erstmal an die Theke. Dass es da nix zu essen gab, war ein Manko, dass man den Veranstaltern nicht unbedingt ankreiden kann, was aber dennoch meiner Erwartunghaltung völlig zuwiderlief. Es gab Africola, Bionade und eben Bier und Wein. Erdnüsse waren aus. Also, nix zu beißen! Die Holzsäulen machten einen sehr angeknabberten Eindruck und für einen Augenblick spielte ich mit dem Gedanken...
Spaßigerweise gab es sogar Leute, die Africola und Bionade getrunken haben, wobei mir unweigerlich die Frage in den Kopf kam: Ist Bionade das neue Bluna?
Es waren wesentlich mehr Leute da, als ich erwartet habe. Grob überschlagen schätze ich mal so 50. Man hat sogar zusätzliche Stühle aufgestellt und ich war ganz froh, dass wir trotz der weiten Anfahrt und dem seltsamen Klackergeräusch beim Schalten so pünktlich waren. Wir saßen also da und beobachteten, wie sich der Raum mehr und mehr füllte. Mein besonderes Interesse galt der Zuordnung der Gesichter zu den Twitter-Pseudonymen. Völliger Fehlschlag. Keine Chance. Vor mir saß ein recht junger schlaksiger Typ, der sich immer nach allen Seiten umgedreht hat, wenn er gelacht hat und mir kam
@ennomane in den Sinn. Der Näme hätte irgendwie gepasst, aber eine Twitterrecherche ergab: Der kann es nicht gewesen sein. So nachträglich habe ich von den Zuschauern nur
@alexschnapper @Bettina_Rohrer @SecondAttempt gefunden, aber auch nur, weil sie etwas über diese Veranstaltung getwittert haben.
Was uns auch sofort auffiel, war das vollkommene offline-Gefühl. Kein WLAN-Hotspot und die umliegenden WLANs hatten sogar vernünftige Passworter und konnten nicht mit "123456" und "passwort" geknackt werden. So konnten wir leider nicht live aus der Veranstaltung twittern und überhaupt scheint es so, dass nur wenige etwas getwittert haben.
Irgendwann ging's dann auch schon los. Einige haben was vorgelesen. Manche fanden das wohl auch ganz witzig, besonders ein paar Gackerer, die der
@Vergraemer später mit einem bösen Kommentar abgestellt hat. Vieles konnte man witzig finden, musste man aber nicht. Es gab nettes Klatschen. Nach einer Zugabe wurde nur nach ausdrücklicher Aufforderung der Vorleser verlangt. Es stellte sich heraus, dass es nicht ausreicht, wenn nur ein einziger "Zugabe" ruft und so musste man noch weitere barmherzige Zuschauer gewinnen - der Abend hätte sonst wohl eine halbe Stunde früher geendet.
Das absolute Highlight war aber
@Vergraemer, der hat den Abend mit seinen witzigen Texten gerettet, die er auch noch sehr launig vorgetragen hat.
@uliuli und
@wofl waren auch ganz witzig, vor allem der Teil mit den Musikeinlagen, aber an
@vergraemer hat nichts herangereicht und ich glaube, er könnte auf jeden Fall alleine so einen Abend stemmen - mir würde nichts fehlen.
Der Nachhauseweg wurde von zwei knurrenden Magen dominiert. Einem recht erfolglosen Versuch, nach der Lesung in Tübingen etwas zu essen zu bekommen, folgte eine verpasste Raststätte, eine Fehlentscheidung, nicht zum Flughafen in Stuttgart zu fahren und wurde gekrönt mit einem Bifi in der Raststätte Pforzheim, in der es um viertel vor zwölf nur noch Suppe und Bockwürste gibt.
Dank
@vergraemer und
@LadyTesska - ohne die ich sowieso nicht gefahren wäre - ein recht netter Abend.